Angst vorm neuen Job – Der Mensch als Gewohnheitstier

Nicht bei jedem oder jeder führt die Karriereleiter immer steil nach oben. Bei manchen gerät die Leiter irgendwann ins Wanken oder die eine oder andere Sprosse erweist sich als angeknackst. Aus unserer Erfahrung in der Personalberatung zeigt sich, dass es gerade bei beruflichen Veränderungen häufig vorkommt, dass Kandidaten im Bewerbungsprozess oder sogar nach Vertragsunterzeichnung und kurz vor Jobantritt plötzlich von Unsicherheiten und Ängsten geplagt werden. Ganz gleich, ob es die Befürchtung ist, der neuen Aufgabe nicht gerecht werden zu können oder ob man sich in dem neuen Umfeld wohlfühlen wird, diese Ängste und Zweifel sind völlig normal – so lange sie nicht völlig aus dem Ruder laufen und zu Kurzschlussreaktionen führen.

Kampf oder Flucht – Willkommen in den Untiefen der Evolution

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und dass Veränderungen auch negative Gefühle und Ängste auslösen können, haben wir der Evolution zu verdanken. Grundsätzlich ist das menschliche Gehirn darauf bedacht, möglichst wenig Energie aufzuwenden und das funktioniert am besten, wenn man in gewohnten Strukturen verharrt und arbeitet. Entscheidet man sich für eine berufliche Veränderung, um den nächsten Karriereschritt in Angriff zu nehmen, verlässt man gewohntes Terrain. Das Gehirn schaltet dann gerne in den Reptilienmodus und signalisiert: Vorsicht – Gefahr! Kämpfe oder fliehe – Sorge dafür, dass sich nichts ändert! Da eine Flucht, in Notlügen oder gar ein spontaner Rückzug eines zugesagten Jobs, nicht zielführend ist und negative Gefühle in Bezug auf Veränderungen jeden  – den einen mehr, den anderen weniger – betrifft, ist es wichtig die positiven Gedanken in den Vordergrund zu stellen und den Bedenken den Kampf anzusagen, um sie letztendlich aus dem Weg zu räumen.

Abenteuer neuer Job: Passen die persönlichen Voraussetzungen?

Um die drohende Gefahr von Zweifeln an der eigenen Courage von Beginn an möglichst gering zu halten, raten wir, schon früh im Bewerbungsprozess für sich zu klären, was man eigentlich will. Faktoren, wie z.B. das angestrebte Gehalt, das Thema Region – Pendeln, Homeoffice-Lösung oder gar Umzug – oder private, familiäre Gegebenheiten, sollte man für sich geklärt haben, bevor man sich ins Abenteuer „neuer Job“ stürzt. Wer hier für sich rote Linien und Ziele definiert hat, gerät später nicht in die Situation darüber noch groß nachdenken, irgendwelche diffusen Befürchtungen durchleben und schlechtesten falls einen spontanen Rückzieher machen zu müssen.

Hat man seine Parameter definiert, kann es losgehen mit der aktiven Suche nach dem nächsten Karriereschritt und die Überreste des Reptiliengehirns machen sich – weil vorausschauend beruhigt – nicht störend bemerkbar.

Ehrlichkeit und Authentizität als Wegbegleiter

Wenn erst im Laufe des Bewerbungsverfahrens oder gar nach der Wechselentscheidung das schlechte Bauchgefühl aufkommt, gilt es schnell zu handeln. Offenheit und Ehrlichkeit gegenüber dem potenziellen Arbeitgeber oder dem Personalberater, mit dem man in diesem Projekt zusammenarbeitet, sind die Tugenden der Stunde. Hals über Kopf den Rückzug zu erklären oder die Flucht in Notlügen, sind absolut kontraproduktiv. Stattdessen hilft es, über den eigenen Schatten zu springen und seine Bedenken, so früh wie möglich zu kommunizieren. Nur so kann überhaupt die Chance gewahrt und genutzt werden, die Befürchtungen zu hinterfragen und etwaige Zweifel zu zerstreuen. Dieser Schritt spricht in jedem Fall, aus dem Blickwinkel aller Parteien, für den Kandidaten und seine Wahrnehmung, ganz gleich, wie das Verfahren und die finale Entscheidung im Ergebnis ausfallen. Das Unternehmen hat die Chance auf die Bedenken reagieren zu können – vielleicht spricht man noch mal über das Thema Gehalt oder eine Home-Office-Lösung. Der Berater kann als vermittelnde Instanz fungieren und den Prozess, der durch die Zweifel in Gang gesetzt wurde, zielführend und wertschätzend für die Parteien moderieren und lenken. Der Kandidat wahrt durch die Offenheit sein Gesicht, präsentiert sich als professionell agierender, authentischer und auch starker Verhandlungspartner auf Augenhöhe.

Wird der Knoten im Ergebnis nicht durchschlagen, haben alle Parteien ihr Gesicht gewahrt und es wurde kein wertvolles Porzellan zerbrochen. Das Sprichwort „man sieht sich immer zwei Mal im Leben“ kann nur so seinen bedrohlichen Schrecken verlieren, denn nach unserer Erfahrung ist die Tür bei vielen Unternehmen für den Kandidaten nur dann nicht endgültig verschlossen. Vielmehr bleibt sie oftmals einen kleinen Spalt offen und kann durchschritten werden, wenn ein passenderer Zeitpunkt kommt oder sich die entscheidenden Parameter vielleicht doch noch einmal in Richtung der Wünsche des Kandidaten verschieben.

Der Kampf durch Offenheit und Ehrlichkeit lohnt sich also.

Nächster Beitrag
Zwischen Rührei und Lachs – Langfristiger Personalerfolg mithilfe von Eignungsdiagnostik?
Vorheriger Beitrag
Generation Z – Der Spagat zwischen Freiheit und Sicherheit
Menü