Der Wandel zum Bewerbermarkt – Der richtige Umgang mit potenziellen Mitarbeitern im Vorstellungsgespräch

Laut Berechnung der Bundesregierung reduziert sich die Zahl an erwerbsfähigen Personen bis 2025 um rund 6,5 Millionen. Ein Grund warum Experten davon sprechen, dass sich der Arbeitsmarkt mehr und mehr zu einem Bewerbermarkt entwickelt. Welchen Einfluss hat der Wandel auf das Führen von Vorstellungsgesprächen?

Jeder Bewerber wird die Situation kennen, in der er während eines Vorstellungsgesprächs gefragt wird, wie viele Smarties in einen Bus passen oder welches Tier man gerne sein würde. Brainteaserfragen sollen die Bewerber in Stresssituation versetzen und die zuvor gut vorbereiteten Antworten auf Standardfragen nach Schwächen und Stärken durchbrechen. Doch kann es sich ein Unternehmen heute leisten, potentielle Mitarbeiter mit Hobby-Psychologie zu vergraulen? Denn auch ein ungeeigneter Kandidat geht als Image-Multiplikator aus dem Bewerbungsgespräch. Der Griff zur Tastatur, um negative Kritik in Social Media Kanälen zu verbreiten, ist kurz und führt nicht zur gewünschten Steigerung der Arbeitgeberattraktivität. Wie verhält sich ein Unternehmen also heute in Vorstellungsgesprächen richtig?

Fest steht: Die Zeit, in der potentielle Mitarbeiter durch reine Stressfragen in Vorstellungsgesprächen aus der Reserve gelockt werden sollen und um die Gunst des Unternehmens buhlen müssen, ist in vielen Branchen vorbei. Unternehmen müssen sich im Kampf um qualifizierte Mitarbeiter ebenfalls von ihrer besten Seite präsentieren. Auch die Erfahrungen der Dr. Schwerdtfeger Personalberatung zeigen, dass Bewerber sich zunehmend kritisch mit ihren potenziellen Arbeitgebern hinsichtlich der Unternehmenskultur, ihren zukünftigen Aufgaben, aber auch mit den künftigen Kollegen sowie weiteren Entwicklungsmöglichkeiten auseinandersetzen.

Wir empfehlen daher: Begegnen Sie Ihrem Gegenüber in Vorstellungsgesprächen auf Augenhöhe und symbolisieren Sie, dass Ihnen das Gespräch wichtig ist – das beginnt bereits mit einem pünktlichen Beginn. Meiden Sie Brainteaserfragen oder sonstige Standardfragen und entwickeln Sie stattdessen einen individuellen Leitfaden. Ein runder Tisch lockert die Gesprächsatmosphäre auf. Achten Sie auf Ihre Körpersprache, vermeiden Sie gelangweilte, autoritäre Haltungen und reden Sie ruhig ein wenig mehr als der Bewerber.

Trotz der veränderten Verhandlungsposition sollen auch Sie natürlich die Möglichkeit haben, Ihr Gegenüber zu testen. Soll die Analyse-Kompetenz getestet werden, kann auf Fallstudien zurückgegriffen werden, oder auch Arbeitsproben können für beide Seiten hilfreich sein. Häufig geht es dem Vorgesetzten darum, herauszufinden, wie der Bewerber mit Herausforderungen umgeht, ob er analytisch denken kann, sich Probleme logisch erarbeitet und strukturiert.

Zum Abschluss des Gespräches sprechen Sie auch gerne aktiv an, wie Ihr Unternehmen in Bezug auf Weiterbildungsangeboten aufgestellt ist. Auch das ist heute ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Auswahl des Arbeitgebers.

Ein Vorstellungsgespräch nach diesen Hinweisen soll natürlich nicht bedeuten, dass der Bewerber diesen Termin locker nehmen soll. Ganz im Gegenteil: Das Vorstellungsgespräch soll gerade fachlich durchaus in die Tiefe gehen. Sehen Sie das Vorstellungsgespräch als ein erstes Kennenlernen, indem sich beide Seiten ein Bild vom jeweils anderen machen. Nutzen Sie die Chance sich als Unternehmen von Ihrer besten Seite zu präsentieren.

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