Einstellungsstopp in der Agrar- und Ernährungsindustrie? Rainer Haske, Geschäftsführer der Dr. Schwerdtfeger Personalberatung, räumt mit dieser Annahme auf – und erklärt, wo sich für qualifizierte Fach- und Führungskräfte auch in unsicheren Zeiten attraktive Perspektiven eröffnen.
Herr Haske, viele haben den Eindruck: Der Arbeitsmarkt ist wie eingefroren. Stimmt das für die Agrar- und Ernährungsindustrie?
Rainer Haske: Eingefroren würde ich nicht sagen, aber definitiv vorsichtiger geworden. Die Zahl der offenen Stellen ist zurückgegangen, keine Frage. Doch hier ist die entscheidende Erkenntnis: Der Fach- und Führungskräftemangel in unserer Branche ist nicht verschwunden. Er zeigt sich nur anders. Unternehmen suchen weiterhin gezielt nach technisch qualifizierten Köpfen und erfahrenen Führungskräften. Was weniger gefragt ist? Verwaltungspositionen und nicht wertschöpfende Funktionen. Der Fokus liegt klar auf den Positionen, die echten Mehrwert schaffen.
Was treibt die Nachfrage aktuell besonders an?
Rainer Haske: Ein Thema dominiert: Altersnachfolgen und Führungspositionen. Unternehmen können es sich nicht leisten, diese Stellen unbesetzt zu lassen oder halbherzig zu besetzen. Es geht um Stabilität, um Know-how-Transfer, um strategische Weichenstellung für die kommenden Jahre. Solche Positionen müssen frühzeitig und mit großer Sorgfalt nachbesetzt werden. Vergessen wir nicht: Die Ernährungsbranche ist einer der größten Industriesektoren in Deutschland und sie bleibt stabil – das gibt Zuversicht.
Also doch kein Einstellungsstopp?
Rainer Haske: Definitiv nicht flächendeckend. Was sich verändert hat, ist die Art der Einstellungen. Früher ging es oft um Wachstum: neue Rollen, zusätzliche Kapazitäten, Expansion. Heute geht es häufiger um strategische Nachbesetzungen, aber mit hochqualifizierten Personen. Die Messlatte liegt hoch. Besonders gefragt sind Fachkräfte in Produktion, Innovation, Prozessoptimierung und Technologie. Wer hier etwas kann, wird gebraucht. Die Unternehmen stellen nicht weniger ein, sie stellen gezielter ein.
Was bedeutet das für jemanden, der über einen Wechsel nachdenkt, aber unsicher ist, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist?
Rainer Haske: Zunächst einmal: Klare Positionierung ist alles. Wer sich die Frage stellt „Was will ich wirklich und wo kann ich den größten Beitrag leisten?”, hat schon den ersten wichtigen Schritt gemacht. Die gute Nachricht: Gerade im Mittelstand, wo viele unserer Mandanten angesiedelt sind, bereiten sich Unternehmen auch in unsicheren Zeiten auf das vor, was danach kommt. Sie wissen: Gute Leute bekommt man nicht auf Knopfdruck. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, ist später im Vorteil.
Und was ist mit dem Risiko?
Rainer Haske: Veränderungen wollen gut überlegt sein – gerade jetzt. Risikominimierung bedeutet: Gespräche führen, Netzwerke prüfen, sich Zeit nehmen für die Entscheidung. Manchmal bedeutet es auch, geduldig zu bleiben und den richtigen Moment abzuwarten. Aber Stillstand aus Angst? Das ist oft das größere Risiko.
Wie hat die wirtschaftliche Unsicherheit die Spielregeln verändert?
Rainer Haske: Auf beiden Seiten ist mehr Bedacht zu spüren. Unternehmen treffen bewusste, strategische Personalentscheidungen statt spontaner Einstellungen. Kandidaten planen Wechsel langfristiger und legen mehr Wert auf Stabilität und Wachstumspotenzial. Das klingt zunächst vielleicht nach Verlangsamung, aber eigentlich führt diese erhöhte Achtsamkeit zu besseren Matches. Zu Entscheidungen, die nicht nur kurzfristig passen, sondern nachhaltig tragen.
Worauf achten Unternehmen heute besonders, wenn sie einstellen?
Rainer Haske: Konkret: Sie suchen Kompetenzen in Technik, Automatisierung, Datenanalyse und Food-Processing. Also genau die Fähigkeiten, die unmittelbare Effizienz- und Qualitätsvorteile bringen. Bewerber müssen ihren Mehrwert klar darstellen können. Es reicht heute nicht mehr, nur gut qualifiziert zu sein. Und dann gibt es noch etwas, das mindestens genauso wichtig ist: der Kultur-Fit. Gerade bei inhabergeführten Mittelständlern, die eine eigene Prägung haben, entscheidet oft nicht nur das Können, sondern auch das Miteinander. Passt die Person ins Team? Teilt sie die Werte des Unternehmens? Diese Fragen wiegen schwer.
Letzte Frage: Was macht in einem vorsichtigen Markt den Unterschied – für jemanden, der sich neu orientieren will?
Rainer Haske: Drei Dinge: Marktkenntnis, Netzwerke und professionelle Beratung. Marktkenntnis hilft, die eigene Strategie zu schärfen: Wo wird gerade nachbesetzt? Welche Themen sind gefragt? Wer ohne diese Informationen agiert, verschenkt Chancen. Netzwerke öffnen Türen – gerade in unserer spezialisierten Branche werden viele Positionen informell vergeben. Wer gut vernetzt ist, erfährt oft als Erster von interessanten Möglichkeiten. Und eine externe Beratung kann als Sparringspartner Gold wert sein: Karrierepfade aufzeigen, Zugang zu Netzwerken verschaffen, Trends einordnen. Gerade in unsicheren Zeiten, in denen jede Entscheidung zählt, ist eine fundierte Orientierung unbezahlbar.
Fazit: Der Markt ist nicht eingefroren – er ist selektiver geworden. Für die richtigen Kandidaten mit klarer Positionierung und strategischem Vorgehen eröffnen sich auch jetzt attraktive Perspektiven.
Sie möchten wissen, wo Ihre Chancen in der Agrar- und Ernährungsindustrie liegen? Sprechen Sie uns an – wir entwickeln Beziehungen.










